Pottkieker - Pressmitteilungen

Sozialk├╝che
02.11.13

Abendblatt-Leser spenden 100.000 Euro f├╝r "Pottkieker"

Von Volker ter Haseborg
Foto: Marcelo Hernandez
 
Hamburger retten die Sozialk├╝che in Dulsberg. Jetzt soll ein F├Ârderverein die Einrichtung langfristig sichern. Die Sozialk├╝che bietet an jedem Werktag Mittagessen f├╝r Bed├╝rftige an.
 


Hamburg. Die ersten Anrufe kamen morgens um Viertel vor acht, als Carmen Krüger gerade im Büro angekommen war. Die Menschen hatten in der Zeitung gelesen, dass der "Pottkieker" in Dulsberg vor dem Aus steht. Sie wollten helfen. Ein Mann spendete Äpfel, ein anderer wollte Lebensmittel verschenken, ein Koch wollte ehrenamtlich in der Sozialküche kochen.

Andere spendeten Geld. "Insgesamt haben die Leser des Hamburger Abendblatts Spenden in H├Âhe von mehr als 100.000 Euro zugesagt", sagt Carmen Kr├╝ger, die Projektleiterin der Sozialk├╝che. Bis Freitag gingen bereits 47.300 Euro auf einem Spendenkonto ein. 352 Unterst├╝tzer hatten bis dahin f├╝r den Erhalt der Einrichtung gespendet.

Die Sozialk├╝che am Alten Teichweg in Dulsberg bietet an jedem Werktag Mittagessen f├╝r Bed├╝rftige an. Ein Essen kostet drei Euro. Es kommen an manchen Tagen mehr als 100 Besucher. Die meisten von ihnen sind bed├╝rftige Rentner. F├╝r sie ist der "Pottkieker" nicht nur eine g├╝nstige Essens-Gelegenheit, sondern vor allem auch ein Treffpunkt. F├╝r viele Senioren ist die Einsamkeit im Alter schlimmer als finanzielle Armut.

Um die Sozialk├╝che 2014 weiter betreiben zu k├Ânnen, fehlten 70.000 Euro, ein privater Spender hatte 38.000 Euro zugesagt. Blieben noch 32.000 Euro, die vor einer Woche noch fehlten.

Durch die Unterst├╝tzung der Leser k├Ânnte der "Pottkieker" jetzt mehr Geld zur Verf├╝gung haben, als f├╝r die kurzfristige Rettung ben├Âtigt wurde. "Sollten wir wirklich mehr als 100.000 Euro bekommen, k├Ânnen wir das ├╝brige Geld daf├╝r einsetzen, den ,Pottkieker' langfristig zu erhalten", sagte Kr├╝ger. "Mich ber├╝hrt es sehr, dass es in dieser Stadt so viel Hilfsbereitschaft gibt."

Die Spenden werden auf ein Konto eingezahlt, das die Patriotische Gesellschaft zur Verf├╝gung gestellt hat. Das Geld soll ausschlie├člich f├╝r die Rettung des "Pottkieker" verwendet werden. Carmen Kr├╝ger will jetzt einen F├Ârderverein oder eine Stiftung f├╝r den "Pottkieker" gr├╝nden. Gespr├Ąche dazu will sie in der kommenden Woche f├╝hren.

Es deutet vieles darauf hin, dass sich der "Pottkieker" von seinem bisherigen Tr├Ągerverein "Mook wat" l├Âst. Der Verein befindet sich derzeit in einem Planinsolvenzverfahren. Das hei├čt: Der Betrieb l├Ąuft weiter, das Sagen hat aber ein Insolvenzverwalter, der sich bis Ende des Jahres mit den Gl├Ąubigern einigen will. Sind die Gl├Ąubiger entsch├Ądigt, kann "Mook wat" den Neubeginn versuchen.

Aber eine gute Ausgangslage f├╝r eine Rettung des "Pottkieker" ist das nicht. Gerade deshalb befindet sich das Spendengeld auch nicht auf einem Konto von "Mook wat", sondern, solange es noch keinen F├Ârderverein gibt, bei der Patriotischen Gesellschaft. Kr├╝ger betont: "Das Geld der Spender ist sicher und wird ausschlie├člich f├╝r die Rettung des ,Pottkieker' verwendet."

Am vergangenen Donnerstag trafen sich Vertreter des Bezirksamts Nord, des Jobcenters, der Sozialbeh├Ârde und von "Mook wat". Die Sozialbeh├Ârde f├Ârdert den "Pottkieker" in diesem Jahr mit 20.000 Euro. "F├╝r das Jahr 2014 hat die Beh├Ârde eine unver├Ąnderte F├Ârderung zugesagt", erkl├Ąrte eine Beh├Ârdensprecherin nach dem Treffen. Ob das Jobcenter weiterhin Langzeitarbeitslose als Ein-Euro-Jobber f├╝r das Projekt bereitstellen kann, ist nach Auskunft einer Pressesprecherin "derzeit noch nicht absehbar".

Fakt ist, dass der "Pottkieker" in seiner gegenw├Ąrtigen Form trotz staatlicher F├Ârderung jedes Jahr eine Finanzl├╝cke von mindestens 70.000 Euro haben wird. Die Stadt ist gegenw├Ąrtig nicht bereit, die F├Ârderung f├╝r den "Pottkieker" zu erh├Âhen. Gerade deshalb wollen alle Beteiligten aufgrund der hohen Anteilnahme der Hamburger die Gelegenheit nutzen, den "Pottkieker" langfristig zu sichern.

In einem F├Ârderverein k├Ânnten sich nicht nur die Macher des "Pottkieker" engagieren. Sondern auch die vielen Unterst├╝tzer, die das Projekt in der vergangenen Woche gewonnen hat. Diese k├Ânnten mitbestimmen, was mit ihrem Geld passiert. Sie k├Ânnten zus├Ątzliches Geld geben. Sie k├Ânnten Einblick in die Zahlen nehmen, bei der F├╝hrung der Gesch├Ąfte helfen und neue Ideen entwickeln, damit der "Pottkieker" mehr Geld einnehmen kann. Unter den Spendern befinden sich Unternehmer, die viel Erfahrung haben. Die Unterst├╝tzer k├Ânnten sich ehrenamtlich in der K├╝che einbringen ÔÇô und so dabei helfen, Kosten einzusparen.

Und auch andere Sozialtr├Ąger k├Ânnten einem F├Ârderverein beitreten. Einen ersten Interessenten gibt es bereits: der Tr├Ąger "Alter und Pflege", der Pflegeangebote f├╝r alte Menschen anbietet. "Die Chance, den ,Pottkieker' nachhaltig zu einem festen Angebot zu machen, sollten wir jetzt nutzen", sagte der Vorsitzende Horst Weipert dem Abendblatt. Seiner Meinung nach sollen sich auch andere Tr├Ąger aus Dulsberg in dem Projekt engagieren.

Sollte ein F├Ârderverein nicht zustande kommen, ist Weipert auch dazu bereit, den "Pottkieker" in die Tr├Ągerschaft seines Vereins zu ├╝bernehmen.